Die Gehirn-Darm-Achse ist eines der populärsten Forschungsgebiete der letzten Zeit, von den Gesundheitswissenschaften bis zur Psychologie. Nach dieser These gibt es einen zweiten Kontrollmechanismus, ähnlich dem Kontrollsystem des Gehirns, das bisher als alleiniger Steuerer galt. Das Gehirn macht also nicht alles allein. In vielen Fällen beeinflussen sich Gehirn und Darm gegenseitig. Vom akademischen Erfolg bis zur Depression, von der Parkinson-Krankheit bis zum Autismus -- der Darm spielt in vielen verschiedenen Bereichen eine ebenso bestimmende Rolle wie das Gehirn.
Die Lebensmittel, die wir essen, beeinflussen unser Leben sowohl körperlich als auch seelisch. Manche Lebensmittel können uns in eine Depression treiben, während andere uns heilen können. Die bereits vorliegenden Daten zeigen beispielsweise, dass Joghurt und Kefir Depressionen und Angststörungen reduzieren. Daher wird die kommende Zeit die Ära der heilenden Lebensmittel sein -- der therapeutischen Nahrungsmittel.
Während es früher Hinweise gab, dass Menschen mit psychischen Problemen Schwierigkeiten im Verdauungssystem hatten, spricht man heute davon, dass Menschen mit Verdauungsproblemen psychische Störungen entwickeln. Die Ursache-Wirkungs-Beziehung -- was was beeinflusst -- hat sich mit neuen Daten also vollständig umgekehrt. Angesichts dessen wird der Darm nicht mehr wie früher als passives Organ betrachtet, sondern als aktives und bestimmendes 'zweites Gehirn.'
Trauma hält drei Generationen an
Dr. Bridget Callaghan von der Columbia University trennte in ihren Experimenten mit Mäusen einige Muttermäuse von ihren Nachkommen. Mäuse, die einen anderen Käfig als ihre Mutter bewohnten, verhielten sich sowohl hinsichtlich des Gehirns als auch des Verdauungssystems problematischer als andere Mäuse. Aber das wichtigere Ergebnis ist: Die Auswirkungen, die das Trauma im Verdauungssystem der traumatisierten Mäuse hinterließ, sind noch drei volle Generationen später nachweisbar. Das heißt, sogar das Enkelkind einer Maus, die in der kritischen Entwicklungsphase nach der Geburt ein Trauma erlebte, trägt die Spuren dieses Traumas!
Ein solches Experiment an Menschen durchzuführen ist ethisch natürlich nicht möglich, aber Bridgets Studien an Kindern, die von ihren Familien verlassen und in Pflegeeinrichtungen untergebracht wurden, zeigen, dass die Spuren von Traumata langfristig bestehen bleiben und dass ihre Auswirkungen sowohl psychischer als auch verdauungsbezogener Natur sind.